Kunst ist als Anlageobjekt sehr gefragt

23 Jan. 2022 / Pressespiegel

Rüdiger Weng, Chef der Fine Art AG in Monheim, ist Experte rund um die Anlage in Kunstobjekte. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

In Zeiten von niedrigen oder sogar negativen Zinsen investieren viele Anleger in den Kunstmarkt. Davon profitiert auch ein Monheimer Unternehmen: Die Weng Fine Art AG. Deren Chef Rüdiger Weng prophezeit für die Zukunft weiteres Wachstum

Der DAX insgesamt kletterte in 2021 um knapp 16 Prozent. Die Aktionäre der Weng Fine Art AG, des Unternehmens von Rüdiger K. Weng, freuten sich sogar über ein Plus von mehr als 200 Prozent. Der seit 2016 an der Rheinpromenade ansässige Kunsthandel ging 2012 an die Börse, und seit September 2020 werden die Papiere auf XETRA gehandelt.

Die Weng-Fine-Art-Anteile waren im Vorjahr unter den Top 10 der am besten performenden Aktien an der deutschen Börse. Mit einem Marktwert von etwa 200 Millionen Euro gehört sie aber immer noch zu den „Small Caps“. Das sind Aktien, die aufgrund ihres relativ geringeren Marktgewichts im Verhältnis zu einer Daimler oder Siemens zu den Börsen-Nebenwerten gehören.

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung begünstigte Wengs Geschäftsidee, die schon vor Corona auf Online-Handel (E-Commerce) setzte. Weng verkauft auf Großhandelsebene, aber auch an private Kunden rund um den Globus Werke zeitgenössischer, weltbekannter Künstler.

„In Zeiten niedriger Zinsen und reichlich zur Verfügung stehenden Geldern suchen viele Kunst auch als Anlageobjekt“, erläuterte er im RP-Interview die für ihn erfreuliche Situation. Das Jahresende 2021 hatte es noch einmal in sich. Die Kunstwerke mit Preisen zwischen 5000 und 100.000 Euro sind nur bedingt als Weihnachtsgeschenk geeignet, aber trotzdem wollten viele Kunstkäufer noch etwas erwerben, „und sei es nur, um Liquidität zu parken“. Die letzten Monate im Jahr 2021 bescherten der AG das umsatz- und ertragreichste Quartal, „wir konnten gleichzeitig Umsätze und operative Margen verbessern“, so Weng.

Der gebürtige Krefelder räumt ein, in gewisser Weise zu den Corona-Gewinnern zu gehören, dank seines Geschäftsmodells sowie der Lagerhaltung. „Der Kunstmarkt ist seit Jahren ein Verkäufermarkt. Es gewinnt derjenige, der Ware hat. Während Kommissionäre infolge der Kontaktbeschränkungen lange auf dem Trockenen saßen, konnten wir die Kundenwünsche durchgängig bedienen und dabei auch erhebliche Wertgewinne realisieren – ein großer Teil der Erhöhung unserer Handelsmarge kommt aus dem Wertzuwachs des Altbestands. Wir haben offensichtlich im Corona-Jahr auch die richtigen Entscheidungen getroffen.“

Weng und seine Mitarbeiter ruhen sich nicht auf dem Erfolg aus. Parallel zum „klassischen“ Geschäft startete die AG in 2021 ein komplett neues Geschäftsfeld, den Bereich „Art/Fin/Tech“. Die Tokenisierung und Fraktionalisierung von Kunstwerken auf Basis der Blockchain-Technologie soll zusammen mit der Etablierung einer elektronischen Handelsplattform den Kunstmarkt revolutionieren.

„Der Kunstmarkt steht am Beginn einer revolutionären Metamorphose: Von einem extrem heterogenen, illiquiden, intransparenten und exklusiven Nischenmarkt zu einer breit zugänglichen, homogenen und digitalen Asset-Klasse“, prophezeit Weng. Ziel ist es, analoge Kunstwerke digital verbrieft und auf Plattformen handelbar zu machen. Durch sogenannte NFTs (Non-Fungible Token) sowie FTs öffnet sich der Markt für komplett neue Teilnehmer und Käufergruppen.

Festzustellen ist nach Ablauf des vergangenen Jahres, dass es bei der neuen Anlegergeneration – wie bei Kryptowährungen – neben dem emotionalen Aspekt von Kunst auch um spielerische Elemente geht. Weng ist sicher, dass bei zunehmender Marktreife immer mehr professionelle Anleger hinzukommen. „Der klassische Kunstsammler wird nicht verschwinden, im Vergleich zu Finanzanlegern aber in Zukunft nur noch einen Bruchteil ausmachen.“ Das Wachstumspotenzial ist riesig. Aktuell beträgt das Volumen des gesamten Kunstmarkts nicht mehr als einem Zwanzigstel der Marktkapitalisierung von Apple.

Nach Wengs Ansicht werden sowohl Preise als auch Volumen deutlich wachsen, Stichwort: mangelnde Verfügbarkeit, „sehr viel Geld trifft auf wesentlich weniger Ware“. Zum anderen wird der Effekt hinzukommen, dass ein Kunst-Token per se teurer als das Werk selbst ist. Dies liegt an der höheren Liquidität. Eine börsennotierte AG erhält auch eine höhere Bewertung als eine GmbH (bei vergleichbaren Geschäftsergebnissen). 

RHEINISCHE POST| 23. JANUAR 2022 | VON MARTIN MÖNIKES