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Verkauf der Artnet-Beteiligung lässt die Kasse klingeln
9 Dez. 2025 / Pressespiegel
Frankfurt am Main – Operativ lief es für die Weng Fine Art AG (WFA) zuletzt nicht rund. Erwartungsgemäß schloss das Kunsthandelsunternehmen das Geschäftsjahr 2024 erstmals seit der Gründung vor mehr als 30 Jahren mit einem Verlust ab (s. NJ 1/25). So langsam scheint sich das Marktumfeld aber aufzuhellen. Zudem gelang Vorstand Rüdiger K. Weng im Juni 2025 mit dem Verkauf der Artnet-Beteiligung ein echter Coup.
In der Hauptversammlung am 31.10.2025 verschaffte Weng den rund 80 angereisten Aktionären einen Überblick über die Situation in der Branche. Nach seiner Einschätzung war 2024 im Kunstmarkt die schwächste Periode in den mehr als 30 Jahren, die er bereits in diesem Umfeld aktiv ist. Unter diesen Bedingungen versuchte der Vorstand erst gar nicht, viel Material in den Markt zu drücken, nur um wenig lukratives Geschäft zu generieren. Dies spiegelt sich in einem auf€ 2.8 (5.9) Mio. deutlich rückläufigen Umsatz wider, der durch Kosteneinsparungen nicht kompensiert werden konnte. Das Betriebsergebnis fiel mit € -0.5 (0.6) Mio. negativ aus, ebenso das Jahresergebnis mit -1.5 (0) Mio.
Transaktion bringt Gewinn von € 9.3 Mio.
Weng hatte jedoch auch Erfreuliches zu berichten. Endlich wurde eine Lösung für die Beteiligung von rund 30 % an der Artnet AG gefunden, die dem Vorstand in den vergangenen Jahren viel Arbeit gemacht hat, nachdem die ursprünglich angedachte strategische Zusammenarbeit trotz jahrelanger Bemühungen nicht realisiert werden konnte. Über die Zeit meldeten sich jedoch immer wieder Investoren bei WFA, die Interesse an einer Übernahme des insbesondere in den USA sehr bekannten Online-Dienstleisters für den internationalen Kunsthandel bekundeten. Im Juni 2025 konnte WFA schließlich im Rahmen eines Übernahmeangebots sämtliche Anteile zu einem Kurs von € 11.25 je Aktie an eine anglo-amerikanischen Investorengruppe veräußern, was nach Überzeugung des Vorstands ein sehr guter Preis für ein Unternehmen war, das seit seiner Gründung durchgängig rote Zahlen schrieb und nie eine Dividende zahlte. Mit der Artnet-Transaktion verdiente die WFA im H1 2025 stolze € 7.3 Mio. Hinzu kommen weitere rund € 2 Mio., die im Jahr 2021 über Optionen bereits vorweggenommen worden waren.
Dividende von € 0.15 je Aktie beschlossen
Nachdem dieses Abenteuer, das über die Jahre einen enormen Aufwand verursachte, erfolgreich beendet wurde, freut sich Weng, wieder mehr Zeit für das operative Geschäft zu haben. Möglicherweise kommt dies genau zur richtigen Zeit, da sich die Zeichen mehren, dass im Kunstmarkt nach schwierigen Jahren eine Trendwende bevorsteht. Von Vorteil ist in diesem Zusammenhang, dass die WFA nach dem lukrativen Artnet-Verkauf über eine sehr solide finanzielle Basis verfügt. Im H1 2025 ging das Eigenkapital im Einzelabschluss dank eines Periodenergebnisses von € 6.7 (-0.4) Mio. auf € 20.9 ( 15.3) Mio. deutlich nach oben. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich auf sehr hohe 84.8 ( 48.5) %, was nach Auffassung des Vorstands für ein Handelsunternehmen eher schon zu viel ist. Die HV beschloss daher trotz des Verlustausweises die Zahlung einer Dividende von € 0.15 (0.05) je Aktie. In den kommenden Jahren soll es Ausschüttungen in einer ähnlichen Größenordnung geben, sofern sich keine sinnvolleren Investitionsmöglichkeiten auftun.
Fokussierung auf das Editionsgeschäft
Aktuell beschäftigt sich Weng stark mit den Vorbereitungen für den erwarteten „Restart" des Kunsthandelsgeschäfts und analysiert das Marktgeschehen, um mögliche Veränderungen frühzeitig antizipieren zu können. Interessant könnte mit Blick auf die prall gefüllte Kasse zudem die Übernahme eines Unternehmens sein, das mehr Umsatz und Marktmacht bringt. Eine Transaktion wie Artnet, die viel Arbeit verursacht, aber über die Jahre nie Erträge bringt, soll aber nicht mehr eingegangen werden. Eine Akquisition kommt nur in Frage, wenn möglichst schnell ein positiver Ergebnisbeitrag zu erwarten ist. Im operativen Geschäft will der Vorstand den Fokus künftig weniger auf die Vermarktung von einzelnen, hochpreisigen Kunstwerken legen, sondern mehr auf das in der Tochtergesellschaft ArtXX AG gebündelte Editionsgeschäft, in dem er deutlich größere Wachstumschancen sieht. Aktuell geht er davon aus, dass das Geschäft im kommenden Jahr wieder deutlich anzieht und sich das Ergebnis erheblich verbessern wird. Eine qualifizierte Prognose für 2026 soll im Januar veröffentlicht werden.
Nebenwerte Journal | 12/2025 | Matthias Wahler
